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Digtalisierung beim nationalen Organspenderegister

Keine Digitalisierung ohne Datenschutz: Das Nationale Organspenderegister auf dem Prüfstand.

Name, Geburtsdatum, Heimatort, E­ Mail­ Adresse – diese und weitere persönliche Angaben hinterlegt ein Nutzer bei einem Eintrag im Nationalen Organspenderegister online. Doch wie wird garantiert, dass diese Daten geschützt sind? Welche Bedeutung der Datenschutz hat und wie er im Nationalen Organspenderegister sichergestellt wird, erklärt Tobias Läderach, CEO der Firma BEGASOFT, die das Nationale Organspenderegister entwickelt hat und betreibt, im Interview mit Swisstransplant.

Text: Sophie Bayard von Swisstransplant hat mit Tobias Läderach, CEO von BEGASOFT gesprochen

Herr Läderach, wir hinterlassen Millionen von Daten im Netz, wobei der Schutz dieser Daten immer wichtiger wird. Was bedeutet Datenschutz für Sie? Als Schweizer Bürger sind wir täglich dem Thema Datenschutz ausgesetzt. Sei dies beim Bestätigen allgemeiner Geschäftsbedingungen (AGB) in einem Online-Shop oder beim Posten einer aktuellen Instagram-Story. Wir sind heutzutage quasi «nackt» im Internet unterwegs, was natürlich jederzeit Gefahren und Herausforderungen birgt. Das fängt beim einfachen Öffnen eines Anhangs im E-Mail an und hört bei der Nutzung eines Tablets durch unsere Kinder auf. Wichtig ist, dass jede Person zu diesen Themen sensibilisiert und über die Gefahren informiert wird. Die Aufklärung sollte im Idealfall bereits in der Grundschule passieren, unterstützt durch die Eltern zu Hause.

Wie sieht der Datenschutz bei BEGASOFT aus? Beim Entwickeln und Betreiben von digitalen Lösungen beschäftigen wir uns jeden Tag mit dem Thema Datenschutz. BEGASOFT ist ISO 9001 und ISO 27001 zertifiziert, was unter anderem bedeutet, dass sämtliche Mitarbeitende strengen Geheimhaltungsvereinbarungen unterliegen. Regelmässig werden unsere Mitarbeitenden in Sicherheits-, Notfall- und Geheimhaltungs-Themen geschult. Wir haben zudem diverse Sicherheitsmassnahmen etabliert. Diese beinhalten beispielsweise die Zutrittskontrolle in sämtliche Räumlichkeiten des Rechenzentrums, Passwort-Richtlinien oder die Identifizierung von Kunden, Partnern und Dritten. Diese Massnahmen werden jährlich von einer zertifizierten externen Stelle auditiert.

Das Nationale Organspenderegister fungiert seit gut einem Jahr als zentrale Onlinelösung, um den Entscheid für oder gegen eine Organ- und/oder Gewebespende festzuhalten. Ihre Firma, der Schweizer IT-Dienstleister BEGASOFT, hat das Register entwickelt und betreibt es seither. Welche Bilanz ziehen Sie? Das Nationale Organspenderegister ist sehr gut gestartet und hat bereits zahlreiche Entscheide für oder gegen eine Organ- und/oder Gewebespende digital erfasst. Die Bilanz aus unserer Sicht ist sehr positiv und wir sind stolz, einen wesentlichen Beitrag zum Thema Organspende geleistet zu haben. Während und nach dem Projekt konnten verschiedene, den Datenschutz betreffende Risiken und Herausforderungen, gemeistert werden.

Cube zur RegistrierungKönnen Sie ein paar Beispiele nennen? Eine grössere Herausforderung stellten sicherlich die mobilen Cubes dar, da diese in öffentlichen Einrichtungen platziert werden und von jeder beliebigen Person genutzt werden können. Konkret bestand das Risiko, dass Benutzerdaten, die nicht abgesendet wurden, auf dem Tablet weiterhin für andere Personen ersichtlich waren. Die Lösung hierfür ist ein automatisches Zurücksetzen des Formulars, sobald der Benutzer das Tablet mind. 30 Sekunden lang nicht betätigt. Die Rolle der Spitäler im Nationalen Organspenderegister stellte eine weitere Herausforderung dar. Hier wurde diskutiert, welche Zugriffsrechte den Fachpersonen in den Spitälern zugesprochen werden sollen. Aus Datenschutzgründen wurde entschieden, die Abfragen des Registers ausschliesslich über Swisstransplant abzuwickeln.

Wie kann ein Nutzer des Nationalen Organspenderegisters sicher sein, dass seine Daten geschützt sind? Die Datenübertragung zwischen externen Stellen und dem Nationalen Organspenderegister erfolgt durch eine Verschlüsselung mit hohem Sicherheitszertifikat. Der Nutzer muss sich nebst Benutzername und Passwort mit einer Zwei-Faktoren-Authentifizierung per E-Mail oder SMS einloggen. Passwörter und Daten werden verschlüsselt abgelegt. Die Datensicherung erfolgt ebenfalls verschlüsselt und örtlich getrennt an einem sicheren Zweitstandort.

BEGASOFT nutzt beim Nationalen Organspenderegister das Rechenzentrum Wankdorf der Swisscom (Schweiz) AG, eines der modernsten Rechenzentren Europas. Was bringt dies für Vorteile? BEGASOFT betreibt sowohl die eigenen als auch die IT-Systeme aller Kunden und Partner im Rechenzentrum der Swisscom in Bern Wankdorf. Die Infrastruktur in diesem Rechenzentrum sucht ihresgleichen in punkto Sicherheit, Verfügbarkeit und Ökologie. BEGASOFT-Kunden profitieren von allerhöchster Qualität: Von der Standortwahl über die spezielle Bauweise, die physikalischen Schutzmassnahmen bis hin zum ausgefeilten Sicherheitskonzept bietet das Rechenzentrum ein Höchstmass an Schutz. Es ist zudem gegen Umweltereignisse, wie zum Beispiel Erdbeben oder Blitzeinschläge geschützt. Bei der Standortwahl wurden Flugschneisen, Hochwassergebiete oder Gebiete mit Gefahrentransporten vermieden. Das Grundstück, auf dem das Rechenzentrum steht, wird durch einen Sicherheitsdienst rund um die Uhr überwacht.

Was beutet Ihnen das Nationale Organspenderegister persönlich? Beim Nationalen Organspenderegister war besonders die Mitentwicklung der Cubes spannend. Hardware und Software mussten präzise ausgewählt werden, damit alle Bedingungen erfüllt werden. Wir sind stolz, dass wir bei diesem Projekt mitwirken konnten. Dass das Nationale Organspenderegister auch in den Medien und in der Öffentlichkeit vorgestellt wird, ist eine zusätzliche Bereicherung. Alles in allem gefällt mir der Sinn dahinter, mit unserer Arbeit dazu beizutragen, das Leben gerettet werden können.

Die Bilanz aus unserer Sicht ist sehr positiv und wir sind stolz, einen wesentlichen Beitrag zum Thema Organspende geleistet zu haben.

Tobias Läderach, CEO der Firma BEGASOFT

 

Tobias Läderach ist seit Herbst 2019 CEO bei BEGASOFT. Nach seiner Lehre als Informatiker arbeitete er hauptsächlich als Projektleiter und Webdesigner und ist nun bei BEGASOFT für die Beratung und für das Business Development im Bereich Softwarelösungen zuständig. Tobias Läderach begleitete die Entwicklung des Nationalen Organspenderegisters strategisch und unterstützte Swisstransplant bei Marketingmassnahmen.

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