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Reise nach Shenzhen

Einblick in die Technologie der Zukunft – Shenzhen zeigt, was alles möglich ist.

Unsere Vorstandsmitglieder Martin Frieden, Raphael Karlen, Matthias Stürmer, Stefan Otziger und Sarah Pfeiffer reisten nach Shenzhen und erlebten eine spannende Studienreise in China.

Text: Sarah Pfeiffer, Vorstandsmitglied Digital Impact Network / Puzzle ITC

Mit rund zwanzig Vereinsmitgliedern, alles Technologie-interessierte Berufsleute, sowie Vertretern der Wirtschaftsförderung des Kanton Berns und einem Filmteam, reisten unsere Vorstände am 13. November 2019 für rund eine Woche nach Shenzhen, um sich von der chinesischen Tech-Innovation inspirieren zu lassen.

Zum fünf-jährigen Partnerschaftsjubiläum zwischen dem Kanton Bern und Shenzhen wurden die Erlebnisse unserer Reisegruppe von einer Filmcrew dokumentiert. Dabei wurde Sarah Pfeiffer als Hauptprotagonistin von der Kamera begleitet.

Die Stadt Shenzhen

Shenzhen ist die Stadt, die in der Geschichte der Menschheit am schnellsten gewachsen ist. Vor 40 Jahren war Shenzhen noch ein Fischerdorf mit wenigen Tausend EinwohnerInnen. Heute ist die Stadt eine High-Tech City mit einer Bevölkerung von 13 Millionen, Tendenz steigend. Das Durchschnittsalter beträgt gerade mal 33 Jahre.

 

 

Am Donnerstag, 14. November 2019, landete die Gruppe nach knapp elf Stunden Flug um 07:00 Uhr morgens in Shenzhen. Nach dem Bezug der Hotelzimmer ging es bereits los. Mit einem Besuch der Hi Tech Fair.

 

Hi Tech Fair

Die Hi Tech Fair ist die grösste Technologie Messe in China. Auf 100’000 m2 präsentieren fast 3’000 Firmen aus mehr als 50 Länder ihre Produkte. Dieses Jahr waren sie unter den 500’000 Besuchern dieser Messe. Die Grösse der Messe sowie die verschiedenen Technologien waren sehr beeindruckend. Vieles konnte selber ausprobiert und getestet werden. Die Teilnehmer versuchten sich an Games, die sie alleine über Gesichts- und Bewegungserkennung ihres Körpers steuerten. Sprachen mit Robotern, bewunderte neue Chip Technologien, waren begeistert aber auch etwas eingeschüchtert von den vielen Möglichkeiten, die Artificial Intelligence bietet. Weiter wurde mit neuster Sensorentechnik gezeigt, wie die Landwirtschaft nachhaltiger werden soll und auch 5G war allgegenwärtig. Zudem hatten sie viel Spass beim Testen von lustigen Gadgets wie Massagegeräten, Infrarot Sauna, Tattoolaser, neuen super Hightech Küchengeräten und vielem mehr.

Firmenbesuche

Im Verlauf der Woche konnten die Berner verschiedene chinesische Technologiefirmen wie Hytera, Intellifusion, DJI, Galaxy Group, Huawei, UBTech Robotics und SANGFOR besuchen. Besonders interessant waren die Besuche bei Intellifusion und Huawei.

Intellifusion ist führend in der Entwicklung von Produkten im Bereich Artificial Intelligence. Die Firma hat einen Chip, eine Kamera sowie die dazugehörige Software entwickelt, womit vor allem Projekte zur Personenerkennung umgesetzt werden. Einige der Gruppe hatten die Möglichkeit die Firma noch ein zweites Mal zu besuchen und konnten etwas technischere Fragen stellen. Die Entwicklung der Software erfolgt meist mit den gängigen Open Source Technologien und die Entwicklungsmethode ist Feature-orientiert. Für unsere Vorstände war es sehr interessant hinter die Kulissen dieser Firma zu blicken und direkt mit IT-Architekten und Software Entwicklern zu sprechen.

Der Besuch bei Huawei war sehr cool. Zuerst wurden im Showroom ihre neusten AI und 5G Produkte vorgestellt. Danach konnte eine fast voll automatisierte  «Handyproduktionsstrasse» in einer Produktionsstätte besichtig werden. Im letzten Jahr wurden die Produktionsschritte immer weiter automatisiert. Pro Schicht konnte die Arbeit von 86 auf 17 Arbeitern reduziert werden. Am Nachmittag besichtige die Gruppe den Huawei Campus. Ein kleines Europa mitten in Shenzhen. Einfach crazy!

 

 

 

Technologie und Hardware

Auf dieser Reise ist den Teilnehmern in Bezug auf die Technologien besonders aufgefallen, dass die Techfirmen in Shenzhen in den Themenbereichen AI, 5G und Robotics sowie allgemeiner Hardware ziemlich weit, wohl weltführend sind. Im Bereich Artificial Intelligence ist viel mehr möglich als bei uns in der Schweiz und die Technologie wird bereits aktiv eingesetzt. Es hat überall Kameras mit Gesichts- und Personenerkennung und die Technologie ist bereits sehr fortgeschritten und exakt. Dies hat die Berner auf der einen Seite fasziniert aber auf der anderen Seite auch beängstigt. Wo soll das hinführen und vor allem wie weit wollen wir solche Technologien in der Schweiz überhaupt einsetzen?
Beim Besuch des Elecronic Market wurde den Techfreaks erst die Dimension dieser Hardware City bewusst. Es gab einfach alles zu kaufen. Von der Handyhülle über Kopfhörer zu Transistoren und vielen Kleinstteilen für Prozessoren, Chip Technologien und Kabel. Wer soll das alles kaufen?
In China ist das Handy allgegenwärtig und wird wohl noch viel mehr genutzt als bei uns. Alles wird über die WeChat Handy App abgewickelt. Man kann telefonieren, chatten, Taxis bestellen, Metroplan herunterladen, bezahlen und vieles mehr. Einige der Reisegruppe haben verschiedene dieser Funktionen getestet. Zum Beispiel das Bezahlen mit dem Handy, hat immer reibungslos und schnell funktioniert. Kreditkarten funktionieren meist nicht. Diese sind in China schon oldschool…

 

Kultur

Obwohl die Woche kurz und das Programm vollgepackt war, fanden die Teilnehmer doch auch ein bisschen Zeit, um die Kultur und die Menschen von Shenzhen kennenzulernen. Einige der Teilnehmer waren das erste Mal in China und waren bei der Ankunft überwältigt und auch etwas verwirrt, da sie sich die Stadt ganz anders vorgestellt hatten. Sie hatten mehr Menschen und Verkehr auf den Strassen erwartet. Zusätzlich war alles sehr sauber, was im Vergleich zu anderen asiatischen Ländern doch etwas ungewohnt war. Doch bald begriffen sie, dass der Lärmpegel der Autos aufgrund der zahlreichen Elektroautos so niedrig war und asiatische Geschäfte sowie kleine Shops doch noch ausserhalb des Zentrums ihren Platz fanden.
Was in dieser Woche kulinarisch geboten wurde, war unglaublich. Bereits das grosse Frühstückbuffet im Hotel hatte alles zu bieten was das Herz begehrte und jeden Mittag und Abend bekamen die Teilnehmer fantastisch schmeckende chinesische Speisen serviert.

Am Sonntag hatte Sarah die Möglichkeit die Filmcrew, welche von einem chinesischen Minister auf einen Ausflug ans Meer eingeladen wurde, zu begleiten. Sie besuchte das Städtchen Dapeng, das im 13. Jahrhundert entstanden ist. Im hübschen Städtchen konnte sie die alte chinesische Architektur und das Kunsthandwerk besichtigen. Zum Mittagessen fuhr die Gruppe nach Xiaqisha, wo sie mit dem Boot zu einem Floatingvillage fuhren und in einem Restaurant auf dem Wasser frischen Fisch und Meeresfrüchte serviert bekamen. Der direkte Austausch mit dem chinesischen Minister und dessen Familie war für Sarah und die Filmcrew sehr interessant und bereichernd.

 

Fazit

Shenzhen wächst gewaltig und schnell. Die Chinesen haben eine «Manpower», die bei uns nie möglich wäre. Der technische Fortschritt ist gewaltig und die Firmen werden grösser und grösser. Auf der einen Seite ist das extrem faszinierend und die Reisegruppe war beeindruckt vom technologischen Fortschritt. Auf der anderen Seite werden die Menschen überwacht. Neben unzähligen Kameras, gibt es überall Polizisten und Security Personal. Das hat einigen, obwohl wir uns sehr frei bewegen konnten, ein beengendes Gefühl vermittelt.
Wir vom DIN-Vorstand denken aber, dass wir China betreffend technologischem Fortschritt nicht ignorieren dürfen. Wir haben durchaus ein positiveres Bild, vor allem in den Themen Nachhaltigkeit und erneuerbaren Energien erhalten, als wir erwartet hätten. Es ist spannend, wie sich China weiterentwickelt. Der Vorstand hofft aber, dass China seine wunderbare Kultur in dieser schnelllebigen Welt nicht vergessen wird.
Wir in der Schweiz sollten den technologischen Fortschritt von China im Auge behalten und prüfen, wie wir davon profitieren können. Auch sind wir Schweizer punkto Qualität immer noch führend und können im Rahmen von Partnerschaften mit chinesischen Privatfirmen unsere Expertisen anbieten.

Für die Reisegruppe und unsere Vorstände war die Woche sehr bereichernd und öffnete den Wissenshorizont von jedem Einzelnen.
Der DIN-Vorstand freut sich bereits auf die nächste interessante Studienreise mit unseren Mitgliedern. Wo wird die wohl hinführen?

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